Barrierefreie Textversion

Sie sind hier:

Was ist das Problem?

Kampagnen, Organisationen und Institutionen

Projekte

Saarland

Indien

Suchen nach:

Allgemein:

Startseite

Mitmachen / Unterstützen

Kontakt

Impressum

Bonded labour in Indien

14 Millionen Menschen, 40 Prozent all derjenigen, die sich heute weltweit in der einen oder anderen Form von Sklaverei, sklavereiähnlichen Bedingungen oder Zwangsarbeit befinden, sind nach Einschätzung des Global Slavery Index 2014 der Walk Free Foundation, Australienin Indien anzutreffen. Der 2013 Trafficking in Persons Reportdes U.S. Department of State beziffert das Ausmaß in Indien sogar auf 20-65 Millionen. Die verbreitetste Praxis in Indien ist vermutlich bonded labour („gebundene Arbeit“). Obwohl in Indien seit 1976 verboten und durch Übereinkommen der Vereinten Nationen sowie der Internationalen Arbeitsorganisation geächtet, ist sie dennoch weiterhin in vielen Regionen und Sektoren anzutreffen: in der Landwirtschaft, in Ziegeleien, Minen und Steinbrüchen, in der Fischerei und Forstwirtschaft, auf Zuckerrohr-, Tee-, Kaffee- und Baumwollplantagen, in der Seidenraupenzucht und in Reismühlen, in derTeppich-, Textil-, Glas-, Streichholz-, Beedi- und Feuerwerkskörperindustrie, in der Edelsteinbearbeitung, im Baugewerbe, in der Gastronomie, in privaten Haushalten, in der Kanal- und Latrinenreinigung, in Bordellen, im Bettelgewerbe, selbst mitunter in staatlichen Betrieben sowie im Kontext von Tempeln, in denen der Yelamma-Kult praktiziert wird.

Die Betroffenen gehören in aller Regel Gemeinschaften der Dalits (den vor allem in ländlichen Gebieten heute noch als „unberührbar“ geltenden Kasten) und der Moolnivasis (indigene Bevölkerung) an; ein Drittel sind Kinder.

Bonded labour ist der Sammelbegriff für verschiedene Praktiken von Zwangsarbeit, die eine Person oder ihre gesamte Familie oder Gemeinschaft an einen bestimmten Arbeitgeber oder einen bestimmten Beruf binden oder sie zwingen, bestimmte (zumeist als „unrein“ angesehene) Tätigkeiten für Angehörige „höherer Kasten“ zu verrichten. Schuldknechtschaft ist eine Form gebundener Arbeit. In aller Regel ist es die Aufnahme eines (oftmals geringfügigen) Kredits – zumeist zur Abwendung akuter/n Armut/Hungers –, die den Schuldner verpflichtet, solange unentgeltlich oder gegen eine Bezahlung weit unter dem Mindestlohn für den Kreditgeber (ein Großgrundbesitzer oder Betriebsinhaber) zu arbeiten oder seine Produkte weit unter dem Marktwert zu verkaufen, bis der Kredit abbezahlt ist. Selbst wenn ein anderer Arbeitgeber einen höheren Lohn bezahlen würde, der eine (schnellere) Rückzahlung des Kredits ermöglichte, ist der Schuldknecht/die Schuldmagd gezwungen, die „Schuld“ direkt bei dem Kreditgeber abzuarbeiten.

Die Dauer, die Menschen in dieser besonderen Form von Abhängigkeit verbleiben und einem Konglomerat an Menschenrechtsverletzungen – nicht selten auch physischer Gewalt – ausgesetzt sind, reicht von einer Saison über mehrere Jahre/Jahrzehnte bis hin zu einem ganzen Leben in „bondage“ und der Weiterreichung an die nächste(n) Generation(en). Bondage ist somit nicht nur eines der Resultate von Armut, sondern ist gleichzeitig Auslöser einer immer auswegloseren Verschuldung und existenzbedrohenderen Armut.