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Gesellschaftlicher und ökonomischer Kontext

Während ein Teil der indischen Bevölkerung im Zuge der Liberalisierung der indischen Wirtschaft seit den 90er Jahren eine rasante Verbesserung seiner ökonomischen Lebensverhältnisse erfahren hat, gehört Indien gleichzeitig zu den Ländern, in denen im selben Zeitraum (1996-2011) der Welthunger-Index angestiegen ist. 37,2% der Menschen in Indien leben heute unter der Armutsgrenze (1), 826 Millionen leben von weniger als 20 Rs. (0,3 EUR) am Tag. Die Ursachen der Armut sind vielfältig und bedingen, perpetuieren und potenzieren sich zumeist gegenseitig: das hoch hierarchisierte Gesellschaftssystem mit seinem extrem ungleichen Zugang der verschiedenen Bevölkerungsgruppen zu Bildung, Land, Gesundheitsversorgung und sonstigen Ressourcen; ein riesiger informeller Sektor (86% der Erwerbstätigen), in dem Mindestlöhne nur auf dem Papier existieren; eine hohe Unterbeschäftigung in der Landwirtschaft, die knapp 60% der Erwerbstätigen umfasst; eine teilweise künstlich herbeigeführte innerindische Migration in großem Ausmaß; die Dominanz von ‚cash crops‘ sowie die zunehmende Anwendung von teurem gentechnisch veränderten oder hybriden Saatgut in der Landwirtschaft; ein inflationärer Anstieg der Nahrungsmittelpreise in den vergangenen Jahren; und ein religiös-kultureller, aber auch durch konkrete Ohnmachtserfahrungen der unteren Bevölkerungsschichten geprägter, weit verbreiteter Fatalismus. All diese Faktoren bereiten den Boden für Abhängigkeit, Verschuldung und immer wieder auch bonded labour.

1. Siehe UNDP, 2010. In acht der indischen Bundesstaaten sind mehr Menschen von Armut betroffen als in den 26 ärmsten Ländern des afrikanischen Kontinents zusammen genommen (Oxford Poverty and Human Development Initiative, Bericht 2010).