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Jeevika– eine Gewerkschaftsbewegung gegen bonded labour

Im südindischen Bundesstaat Karnataka ist seit Ende der 80er Jahre aus den Reihen ehemaliger Schuldknechte und –mägde und TagelöhnerInnen eine Bewegung entstanden, bekannt unter dem Namen Jeevika.Sie tritt einfür die Freilassung von Schuldknechten und –mägden und für eine endgültige Auflösung des bonded labour-Systems. Aus dem Verständnis heraus, dass eine nachhaltige Abschaffung von bonded labournur möglich ist, wenn man sie in ihrem Kontext erfasst, zielen die Forderungen und Aktivitäten Jeevikas ebenfalls ab auf eine Abschaffung der Kinderarbeit und eine generelle Einhaltung der Kinderrechte, eine Auflösung des Kastensystems wie auch der in ländlichen Gebieten oftmals noch vorhandenen feudalen sowie der ebenfalls für extreme Ungleichheiten verantwortlichen patriarchalen Strukturen. Sie setzt sich ein für mehr soziale Gerechtigkeit, u. a. durch einen gleichen Zugang aller zu den wesentlichen gesellschaftlichen Ressourcen; für eine Erhöhung der Mindestlöhne sowie die Implementierung aller gesetzlichen Mindeststandards; für eine ungehinderte Wahrnehmung der bürgerlichen und politischen Rechte; für die Entwicklung von mehr Respekt und Toleranz gegenüber den unterschiedlichen Kulturen und für den Abbau von kommunalistischer Gewalt innerhalb der indischen Gesellschaft; für die Förderung ökologischer Nachhaltigkeit und für die Entwicklung von Lösungen und Maßnahmen, um den ungleichen Auswirkungen von Globalisierungsprozessen entgegen zu steuern.

Jeevika will informieren, bilden, Bewusstsein schaffen, organisieren, ihre Forderungen gezielt und öffentlich vertreten und für deren Umsetzung mobilisieren. Die Palette der Aktivitäten und Methoden reicht von der Begleitung der Schuldknechte und –mägde in dem oft Jahre bis zur urkundlichen Freilassung andauernden Prozess sowie auch in späteren Auseinandersetzungen mit den Behörden, über Kampagnen, Straßentheater und –musik nach Freires Befreiungspädagogik, unterschiedlichsten Schulungen für ArbeiterInnen, AktivistInnen und den im Freilassungsprozess beteiligten BehördenvertreterInnen und GemeinderätInnen, der Durchführung von Brückenschulunterricht, der Einrichtung und regelmäßigen Treffen von Selbsthilfegruppen (SHG), Gewerkschaftsgruppen und Kinderclubs, über Dorferhebungen und Fallstudien bis hin zur Durchführung von Versammlungen, Demonstrationen, Sit-ins, Rallys und Lobbying-Gesprächen auf allen Ebenen.

Jeevikas Ziel ist ein „empowerment“ der Schuldknechte/ –mägde und TagelöhnerInnen sowie deren Familien und Gemeinschaften, d. h. alle Programme und Aktivitäten werden so gestaltet, dass sie die Menschen nachhaltig befähigen, eigenständig und selbstbewusst für ihre Rechte und Forderungen innerhalb ihrer Arbeitsverhältnisse, gegenüber Behörden und der Polizei sowie innerhalb ihrer Kasten- und Dorfgemeinschaften und darüber hinaus einzutreten.

Was 1987 als kleine Initiative in einem Dorf begann, ist inzwischen zu einer Bewegung und Gewerkschaft mit rund 260 ehrenamtlichen AktivistInnen angewachsen, die fast alle Distrikte Karnatakas erfasst und sich seit kurzem in angrenzende Gebiete in den Bundesstaaten Tamil Nadu und Andhra Pradesh ausdehnt. Der aus der Bewegung heraus entstandenen Gewerkschaft Okkuta gehören inzwischen rund 25.000 (ehemalige) bonded labourers und TagelöhnerInnen aus der Landwirtschaft an, die mittlerweile über 1.150 kleine lokale Gewerkschaftsgruppen gebildet haben, sowie 780 Selbsthilfegruppen – die zumeist u. a. als Spar- und Mikrokreditgruppen fungieren – mit weiteren knapp 9.500 Mitgliedern (zumeist die weiblichen Familienangehörigen der Mitglieder in den Gewerkschaftsgruppen).

Im Laufe der vergangenen 20 Jahre hat Jeevika 27.000 Menschen auf ihrem Weg in die Freiheit unterstützt, und auch darin, Zugang zu diversen Regierungsprogrammen zur Einkommensschaffung und weiteren Armutsbekämpfung zu erlangen. 436 Dörfer sind durch die Aktivitäten von Jeevika heute bonded labour-frei.